Familie in Zeiten von Corona – Leuchtturm in der Katastrophe sein

Aber was ist mit Opa? Oder unserer Uroma? Mama, die sind schon alt. Ist Corona für sie gefährlich? Dürfen wir noch zu ihnen? Ich sitze am Bett und halte eine Kinderhand. Die kleinen Augen, die mich anschauen, sind nicht panisch, aber ernst. Sehr ernst. Seit Wochen bekommen auch sie mit, dass sich ein bisher unbekannter Virus über die ganze Welt verbreitet. Eine Krankheit, die Menschen tötet. Nicht alle Menschen, sondern mit Vorliebe solche, die ihre Omas oder Opas sein könnten. Als Familie in Zeiten von Corona werden Abende an Kinderbetten länger.

Nichts ist mehr, wie es wahr

Im Zeitlupentempo rollt ein Tsunami auf uns zu und wir blicken ihm entgegen. Mittlerweile überschlagen sich täglich die Ereignisse und es ist nicht mehr möglich, sie von den Kindern fernzuhalten. Ihre Hobbys dürfen nach und nach nicht mehr stattfinden. Sie mussten heute all ihre Schulsachen mit nach Hause nehmen, weil sie am Montag vielleicht nicht mehr wiederkommen können. Wir Eltern reden darüber. Dieser Virus, der vor ein paar Wochen noch klein, unbedeutend und künstlich aufgebauscht wirkte, hat uns alle im Griff. Nichts ist mehr, wie es war. Mit jedem bisschen Struktur, das fällt, verlieren sie ein Stück Sicherheit. Und sie merken sehr deutlich, dass wir Erwachsenen eigentlich auch nicht viel mehr wissen, als sie selbst.

Verantwortung tragen

Und doch sind wir verantwortlich. Es ist an uns, so viel Sicherheit wie möglich zu geben. Wir müssen nun die Felsen sein, an die sich unsere Kinder klammern können. Doch wie können wir das tun, in einer Lage, die für uns selbst nicht einmal richtig einzuschätzen ist und die uns alle gerade derart überwältigt? Diese Situation ist für uns alle neu – und doch gibt es ein paar Erkenntnisse, auf die wir zurückgreifen können.

Ihre Fragen beantworten

Unsere Kinder haben dieser Tage viele Fragen. Und es ist gut, wenn wir Erwachsenen sie beantworten. Manchmal haben wir dann jedoch den Impuls, den Kindern sehr viel mehr Hintergrundwissen mit an die Hand zu geben, als es für die Beantwortung ihrer Frage gebraucht hätte. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es reicht, die Fragen zu beantworten, die die Kinder tatsächlich stellen. Sie dürfen selbst entscheiden, wie viel mehr sie wissen möchten. Oft reichen unsere Antworten ihnen, auch wenn wir aus unserer Erwachsenensicht heraus denken, dass sie mehr Infos bräuchten. Manchmal ist es dann so, dass sie später wiederkommen und mehr wissen wollen.

Authentisch aber nicht belastend sein

Natürlich merken unsere Kinder, dass auch wir nervös sind. Wir Erwachsenen stellen uns ja dieser Tage ebenfalls viele Fragen. Wie gefährlich ist der Virus im Einzelfall wirklich? Werden unsere Gesundheitssysteme dem standhalten? Wie federn wir die wirtschaftlichen Folgen ab? Was wird aus unseren eigenen Eltern, die zur Risikogruppe zählen? Wo können wir noch guten Gewissens hingehen und was sollten wir meiden? Wie können wir weiter arbeiten, wenn Schulen und Kitas schließen? Es bringt also nichts, ein maskenhaftes Ich-habe-alles-im-Griff Pokerface aufzusetzen. Wir dürfen ehrlich sagen, dass wir gerade auch nicht alles wissen und schauen, wo wir vorsichtig sein müssen. Das Gros unserer Sorgen muss allerdings bei uns Erwachsenen bleiben. Unsere Kinder brauchen stabile große Menschen um sich herum. Gut ist es, seine eigenen Gefühle mit anderen Erwachsenen zu besprechen und selbst Halt bei Partner, Freunden oder Online-Community zu suchen. Denn nur, wenn wir auch auf unsere innere Balance achten, können wir nach außen Sicherheit vermitteln.

Neue Strukturen schaffen

Wenn unsere Kinder – und danach sieht es derzeit aus – demnächst wochenlang zu Hause sind, droht das letzte bisschen Struktur zu brechen. Deshalb ist es wichtig, dass wir uns überlegen, wie wir die langen Tage der Schul- und Kitaschließung gestalten wollen. Auch die Möglichkeiten der Freizeitgestaltung sind ja logischerweise stark eingeschränkt. Viele Schulkinder bekommen aber ohne hin Arbeitspläne mit nach Hause und müssen in den kommenden Wochen für die Schule arbeiten. Von daher bietet es sich an, eine Tagestruktur zu schaffen, die sich ähnelt und spielen, lernen und arbeiten miteinander verknüpft.

Ein kleines Happening daraus machen

Für viele Eltern bleibt jetzt noch das Wochenende, um eine längere Zeit der häuslichen Kinderbetreuung vorzubereiten. Neben der Herausforderung, Beruf, Familie und Unterricht unter einen Hut zu bekommen, sollten wir schöne Dinge einplanen. Für unsere Kinder fallen viele lieb gewonnene Dinge weg. Feste können nicht gefeiert werden. Schultheaterstücke nicht aufgeführt. Vielleicht fallen auch der Nähkurs, das Legoprojekt und die Osterferienspiele in diesem Jahr aus. Das ist traurig und frustrierend. Deshalb ist es schön, etwas dagegen zu setzen und den Corona-Ferien ein eigenes Motto zu geben. Vielleicht zelten wir einfach in der Küche und essen die ganze Zeit Dosenravioli, schrieb mir eine andere Bloggerin heute. Warum eigentlich nicht? Irgendwas besonderes sollten wir tun. Vielleicht ein gemeinsames großes kreatives Projekt? Vielleicht können Pflanzen vorgezogen werden? Vielleicht Frühblüher im Garten gepflanzt, der Osterweg kreativ gestaltet oder die Wohnung besonders auffällig miteinander dekoriert werden? Gibt es ein Thema, das alle interessiert und über das wir in den nächsten Wochen alles lesen, anschauen und ausprobieren, was online und offline zu finden ist? Oder feiern wir jeden Freitagabend eine Mottoparty, die wir die ganze Woche über vorbereiten? Ich bin sicher, es gibt noch viel mehr tolle Ideen, die Coronaferien auch ein bisschen lustig zu machen.

Wie auch immer ihr diese herausfordernde Zeit übersteht – bleibt optimistisch und verliert nicht die Hoffnung. Mit Besonnenheit, Nächstenliebe und Jesus an unserer Seite können wir auch gestärkt aus dieser Phase herausgehen.

Seid gesegnet und bleibt gesund.

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