Was wir vom Zahnen übers Eltern sein lernen können

Mama, der Tim hat schon zwei Zahnlücken und ich habe noch keine. Mein Kind wartet auf den Zahnwechsel und leider möchte der sich noch so gar nicht einstellen. Die Zähne sitzen bombenfest und auch wiederholt heftiges Ruckeln mit den Fingern kann daran nichts ändern. Meine Tochter findet das gemein. Ich finde es ehrlicherweise ganz gut.

Denn ein Vorteil hat dieser später Zahnwechsel: Je länger die Milchzähne drin bleiben, desto verantwortungsvoller ist das Kind schon bei der Zahnpflege, wenn die ersten bleibenden Zähne kommen. Von daher tut es mir zwar leid, dass meine Tochter ihren Kindergartenfreunden nun einige Monate lang wird zusehen müssen, wie sie nach und nach kleine Lücken in ihren Gebissen bekommen, aber schlimm ist es nicht.

Von allen Entwicklungsgeschichten finde ich die Sache mit den Zähnen am Entspanntesten. Nicht, weil es wirklich locker wäre, wenn sie zum ersten Mal kommen oder wenn sie gehen. Himmel nein – ich habe schon so manche Zahnnacht hinter mir und auch die Wackelzahnphase ist oft alles andere, als ein Kinderspiel. Gerade in den letzten Wochen hatten wir wieder mehrere verlorene Eckzähne bei den großen Kindern – was zu vielen langen Abenden auf dem Sofa führte, in denen wir den Kids zusahen, wie sie die nur noch am seidenen Faden hängenden Milchzähne zu ziehen versuchten.

Nein, ich finde Zahnwechsel so entspannt, weil es eine Entwicklungssache ist, bei der wunderbar sichtbar wird, was auch für alle anderen Phasen gilt – wir können nichts beschleunigen. Und hier haben wir nicht einmal die Illusion, als könnten wir. Manche Kinder haben schon zwei Zähne, wenn sie auf die Welt kommen, andere bekommen ihren erste Zahn nicht vor ihrem ersten Geburtstag. Entsprechend lange dauert es, bis die ersten Wackelzähne kommen. Wer spät zahnt, behält sie auch länger. Drops gelutscht.

Während wir beim Laufen, Sprechen, Trockenwerden, Schlafen, Essen oder allein Hausaufgaben machen immer glauben, wir könnten vielleicht doch ein kleines bisschen dazu tun, ist die Geschichte bei den Zähnen wunderbar einfach. Doch vielleicht können wir ja daraus lernen und das Zahnen auf alles andere übertragen. Jedes Mal, wenn du das Gefühl hast, das ein Schritt nicht “rechtzeitig” erfolgt, dein Kind zu langsam ist oder alle anderen anscheinend irgendwas besser machen, dann denk an die Zähne – die kommen und gehen, wann sie wollen – und sag dir, dass das auch für den ganzen Rest gilt.

Ich jedenfalls bin mir sicher, dass sich meine Vorschülerin noch eine ganze Weile gedulden muss, denn ihr erster Zahn kam damals erst nach ihrem ersten Geburtstag. Wie entspannend!

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