Fehlende Hausaufgaben und keine Lust – die steinige Entwicklung zum Grundschulkind

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Nun ist die Schule in den meisten Bundesländer schon wieder ein paar Wochen Alltag. Für manche Familien allerdings ein ganz neuer. Wenn unser Grundschulkind in seinen neuen Lebensabschnitt startet, ist das natürlich erst einmal aufregend und oft geht es mit einer Menge Vorfreude einher. Der Boden der Realität ist jedoch für manches Kind und manche Eltern leider hart. Auf einmal ist nicht Lernfreude, sondern sind fehlende Hausaufgaben und Unlust der neue Alltag. Die Entwicklung zum Grundschulkind verläuft nicht immer glatt und reibungslos. Doch das ist kein Grund für Panik.

Grundschulkind wird man nicht auf Knopfdruck

Zunächst müssen wir uns klarmachen, dass unsere Kinder sich langsam vom Kindergartenkind zum Grundschulkind entwickeln. Nur, weil wir ihnen einen Ranzen aufziehen und eine Zuckertüte in die Hand drücken, sind sie keine fertigen Schulkinder. Vielmehr ist das Ankommen in der Grundschule ein Weg. Normalerweise wird dieser schon durch den Kindergarten liebevoll vorbereitet. Die Kinder bekommen im Vorschulbereich die Gelegenheit, schulische Settings kennenzulernen. Im günstigsten Fall besuchen sie ihre zukünftige Grundschule sogar schon ein paar Mal, nehmen an Unterrichtsstunden teil und schnuppern Schulluft. Außerdem bekommen sie ein paar “Softskills” für den Schulstart mit auf dem Weg, wie Schuhe binden, auf die eigenen Sachen achten oder sich melden, bevor man etwas sagen möchte (und so viel mehr natürlich). Wir müssen uns aber vor Augen führen, dass viel von dem in diesem Jahr wegen Corona nicht stattfinden konnte. Selbst wenn all diese Punkte hätten sein dürfen, wären unsere Kinder danach nicht unbedingt “fertigen” Schulkinder gewesen. Ohne diese Vorbereitung sind sie es aber erst recht nicht. Viele Anfangsschwierigkeiten mit dem Schulstart lassen sich allein mit diesem Umstand schon erklären.

Zu hohe Erwartungen hemmen die Lernlust

Deswegen ist es auch wichtig, dass wir unsere Erwartungen an unser Grundschulkind in den ersten Wochen klein halten. Es geht wirklich ums Ankommen. Darum, sich vom Kindergartenkind zum Grundschulkind zu entwickeln. Fehlende Hausaufgaben sind oft kein Zeichen dafür, dass Kinder keine Lust haben, sondern von Überforderung. Während gerade noch alles für sie organisiert wurde, sollen sie ab sofort selbst Verantwortung übernehmen.

Je nach Persönlichkeit des Kindes dauert es aber nun einmal ein bisschen, bis unsere Kinder das können. Manche sind von Anfang an sehr fokussiert, weil das ihrem Naturell entspricht. Andere saugen zwar alles wie ein Schwamm auf, können aber nicht gut wichtig von unwichtig unterscheiden. Wie auch? Sie lernen ja gerade alles ganz neu. Kein Wunder, dass da mal etwas hinten runter fällt. Das gilt auch für das Verhalten im Unterricht. Die Anforderungen dort unterscheiden sich schließlich dramatisch von dem, was sie im Kindergarten gewohnt waren. Was wir hier brauchen, um Lust und Motivation zu erhalten, ist eine Menge Nachsicht und Geduld. Für die Entwicklung zum Grundschulkind gilt, was für alle Entwicklungsphasen gilt: Sie lässt sich nicht durch Druck beschleunigen.

Einen Rahmen schaffen für Entwicklung

Als Eltern sind wir also auch hier einmal mehr Entwicklungsbegleiter. Wir können den Prozess nicht beschleunigen, aber wir können einen Rahmen schaffen, in dem er stattfinden darf. Gerade wenn fehlende Hausaufgaben zum Dauerthema werden, hilft ein fester Ablauf. Eltern können zusammen mit ihren Kindern nach einem guten Zeitpunkt für Hausaufgaben schauen. Es lohnt sich, weniger in starren Glaubenssätzen zu denken und mehr aufs Kind zu schauen. Manchen tut es gut, die Aufgaben direkt nach der Schule zu erledigen. Andere brauchen eine kurze Pause zum Durchatmen. Wieder andere Grundschulkinder lernen am besten am Ende des Tages. Ein Patentrezept gibt es hier nicht. Wichtig ist hier nicht der Zeitpunkt, sondern die Einbettung in den Tag. Kinder in der ersten und zweiten Klasse sollten nicht länger als 30 Minuten an Hausaufgaben sitzen. Vielen hilft es, wenn sie wissen, was hinterher Schönes kommt. Bei uns war das zum Beispiel unsere Teerunde und während die Kinder gearbeitet haben, habe ich oft schon Kakao gekocht und Äpfel geschnitten. Dies war ein sichtbares Zeichen dafür, dass die Hausaufgabenzeit auf ihr Ende zugeht.

Der Entwicklung zum Grundschulkind Priorität einräumen

Wenn die Schule losgeht, sind unsere Kinder sehr beschäftigt damit, ihren Platz im neuen Alltag zu finden. Oft wirkt das auf uns Eltern anders. Gefühlt haben sie auf einmal ziemlich viel Zeit. Die Grundschule endet spätestens um 12 und der Aufwand fürs Lernen ist noch nicht sonderlich hoch. Oft erscheint uns das die perfekte Zeit zu sein, neue Hobbies einzuführen. Das erste Instrument lernen und endlich das Seepferdchen machen und dann ist da ja noch der Sportverein. Doch dabei sollte man nicht unterschätzen, dass gerade in dieser Entwicklungsphase viel von unseren Kindern abverlangt wird, was wir nicht sehen. Deshalb ist in der Freizeitgestaltung weniger oft mehr. Zusätzliche Aktivitäten sollten mit Bedacht ausgewählt werden und das eine oder andere muss vielleicht noch ein Jahr warten. Stattdessen sollte viel Zeit sein, um die neuen Freunde zu treffen, Ruhephasen in den Alltag einzubauen oder sich einfach mal tierisch zu langweilen.

Ruhe bewahren

Ruhe erscheint mir sowieso das Zauberwort in dieser so wichtigen und manchmal steinigen Entwicklungsphase. Gerade dann, wenn es nicht so läuft und die ersten Rückmeldungen aus der Schule vielleicht anders sind, als wir es erwartet hätten, heißt es, im Vertrauen zu bleiben. Solche Anfangsholperer entscheiden meistens nicht über die zukünftige Schullaufbahn unserer Kinder. Die Entwicklung zum Grundschulkind darf holpern und ruckeln und Rückschritte enthalten. In einem förderlichen Umfeld wird sie trotzdem vonstatten gehen.

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von

Eltern- und Familienberaterin, Autorin, Christin. Ehrenamtlich in der Familienarbeit meiner Gemeinde unterwegs und vor allem dreifache Mutter und Ehefrau.

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