Die letzten Tage in der Kita

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Hast du es dir auch anders vorgestellt, das letzte Kindergartenjahr deines Kindes? Dann bist du damit nicht allein. Ich glaube, ein letztes Kitajahr, in dem die Kinder so viel daheim bleiben mussten und so wenige Aktivitäten machen konnten, die eigentlich zum Jahr vor der Einschulung dazu gehören, das hatte keiner auf dem Schirm. Ich denke, so sehr wir alle wissen, dass diese Maßnahmen nötig waren und wohl auch noch eine ganze Weile nötig sein werden, so traurig sind wir trotzdem. Und das ist in Ordnung. Trauer um die Dinge, die uns oder unseren Kindern wegen Corona entgangen sind und die nie mehr nachgeholt werden können, ist wichtig. Und auch Wut darüber ist erlaubt.

Wut und Trauer sind gesund und wichtig in dieser Lage. Aber bitte nehmt Abstand von Schuldzuweisungen an Verantwortliche. Leider entlädt sich mancherorts die Enttäuschung der Eltern an den Erzieher:innen oder den Elternbeirät:innen, die keine Abschiedsfeiern oder andere Aktionen planen. Das ist nicht fair, denn niemand macht das aus Bequemlichkeit oder um uns zu ärgern. Die Situation ist, wie sie ist und Verzicht ist leider die einzige Exitstrategie. Und bei alldem dürfen wir auch nicht vergessen, dass viele Dinge uns als Eltern viel stärker treffen und uns viel schlimmer vorkommen, als unseren Kindern. Zumindest was die Übergangsrituale angeht.

Für unsere Kinder ist es in dieser Phase nur wichtig, DASS sie in irgendeiner Form Abschied nehmen können und der Übergang stattfinden kann. Selbst, wenn es nur eine kleine Feier mit ihren Erzieher:innen und in ihren Gruppen und ohne uns ist, ist das ein Abschied. Es ist für sie eine Form des gestalteten Übergangs und sie werden so vorsichtig aus ihrem Lebensabschnitt rausbegleitet, um einige Wochen später in der neuen Phase empfangen zu werden.

Unsere Rolle ist (übrigens auch außerhalb von Pandemien) gar nicht die, in der Institution präsent zu sein. Wenn das geht – wunderbar für alle Beteiligten. Aber davon hängt nicht ab, wie gut der Übergang gelingt und wie unsere Kinder weitergehen. Unsere wichtigere Aufgabe ist die, diese Phase hier zu Hause zu begleiten. Denn der Übergang von der Kita in die Grundschule ist ein ganz großer, ganz aufregender und ganz emotionaler. Je nachdem, wie nah der letzte Kitatag bei euch schon ist, werdet ihr das vielleicht schon merken. Unsere Kinder sind anders. Zum einen ist da die Wackelzahnpubertät, die dich vielleicht schon länger ein bisschen herausfordert. Zum anderen kommt aber jetzt jede Menge Stoff zum Verarbeiten dazu.

Vielleicht sind bei euch im Moment die Abende länger, die Nächte vielleicht wieder unterbrochen und das Familienbett wieder voll, obwohl das eigentlich schon anders war? Auch die Stimmung deines Kindes könnte gerade etwas kippeliger sein und vielleicht erinnert dich sein ganzes Verhalten gerade in einem Moment an das Kleinkindalter und kommt dir dann wieder unglaublich erwachsen vor. All das ist normal und ein Zeichen, dass dein Kind gerade emotional sehr bedürftig ist. Es hat eine Menge zu verarbeiten. Abschiede und zuckersüße letzte Male. Vorfreude und Angst. Aufregung und Ungeduld. Schmerz und Glücksgefühle im ständigen Wechsel. Und anders als wir haben unsere Vorschulkinder oft nicht einmal Worte, in die sie all das fassen können, was sie gerade erleben.

Unsere Aufgabe ist gerade, ein Zuhause bereitzuhalten, das ein Gegengewicht dazu ist. Vielleicht ist Corona dafür sogar gut. Denn unsere Kinder brauchen gerade nicht noch mehr Reize und noch mehr Termine, Pläne und Gewusel. Besser sind kleine, schöne Auszeiten. Nachmittage auf der grünen Wiese. Zeiten für sich und zum Rückzug – und vor allem unsere Nähe, unsere Präsenz. Ja – es ist anstrengend, wenn gerade diese schönen, ersten lauen Sommerabende lang werden und wir viel Zeit beim Begleiten und Kuscheln verbringen. Aber sie ist wertvoll. Wenn dein Kind abends gerade wieder anhänglicher ist, dann weil es deine Nähe gerade dringend braucht. Statt den Abend zum Konfliktfeld werden zu lassen, kannst du daher vielleicht eher überlegen, ob du mit deinem Kind abends etwas länger auf der Terrasse sitzen möchtest und bei einem kalten Getränk und lauer Sommerluft zuhören möchtest, was für Themen gerade in seinem kleinen Kopf präsent sind.

KategorieEltern sein

von

Eltern- und Familienberaterin, Autorin, Christin. Ehrenamtlich in der Familienarbeit meiner Gemeinde unterwegs und vor allem dreifache Mutter und Ehefrau.

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