Dinge_die_man_nicht_macht

Von barfüßigen Kindern bei kaltem Herbstwetter und anderen Dingen, die “man nicht macht”

Eineinhalb Wochen Herbstferien waren schon rum. Eineinhalb verregnete Wochen. Während wir die erste Woche noch zu fünft gestaltet haben, war ich in der zweiten Wochen an vielen Tagen Alleinunterhalterin. Mein Mann hatte ausgerechnet in dieser Woche viele auswärtige Termine und die Großeltern waren verreist. Irgendwann war da dann dieser Tag, an dem wir im Bett frühstücken mussten. Zum einen, weil ein Kind das auf seine Ferienwunschliste geschrieben hatte. Zum anderen, weil in unserem Wohnzimmer seit den frühen Morgenstunden Handwerker dabei waren, unsere Terrassentür zu reparieren. Die Brötchen mit Nuss-Nougat Creme auf weißen Laken waren nur der Anfang eines Tages, an dem viel passierte, “das man nicht macht”. Wenn du auf saubere Bettlaken stehst, ist der Beitrag heute daher eher nichts für dich. Wenn du eine Ermutigung brauchst, um fünfe gerade sein zu lassen, dann schon.

Ich weiß nicht, ob es nur mir so geht oder ob es eine Krankheit von kreativ tätigen Freiberuflerinnen ist, dass man sich immer dann, wenn es so gar nicht geht, total nach Workflow fühlt. Auf jeden Fall ging es mir an diesem denkwürdigen Tag so. Mein Kopf platzte fast vor Ideen für Blogbeiträge. Endlich hatte ich DIE zündende Idee für ein Projekt, dass mir schon lange im Kopf herumspukt. Und dann musste ich noch unbedingt jemandem eine Mail schreiben. Als dann, direkt nachdem der letzte mit Nuss-Nougat Creme beschmierte Krümel aufs Bett gefallen war, ein Kind die Idee hatte, die Medienzeit heute ausnahmsweise mal vormittags zu machen, sagte ich spontan ja. Medienzeit für die Kinder heißt schließlich, dass auch ich mich mal an meinen Laptop setzen kann.

Und so hämmerten unten die Handwerker und noch ein Stockwerk tiefer sammelten Mario und Cappy Monde. Hinter mir ritt Yakari auf kleiner Donner in neue Abenteuer und ich tippte um mein Leben. Die Uhrzeiger bewegten sich derweil viel zu schnell. Die Medienzeit fing heute damit wohl nicht nur früher an, sie dauerte zum Ausgleich auch länger. Die Handwerker verabschiedeten sich gegen Mittag und die Kinder hatten nach dem vielen Sitzen einen reichlichen Überschuss an Bewegungsdrang, den sie auf dem Trampolin ausleben wollten.

Nach und nach liefen sie an mir vorbei und mir fiel dabei auf, dass zwei von drei Kindern für ein solches Unterfangen nicht die passende Kleidung trugen. Und schon gar keine Socken. Du musst sie aufhalten und ihnen sagen, dass sie mehr anziehen sollen, flüsterte die Stimme der Vernunft. Mach dir einen Tee und setz dich, hielt die Gelassenheit dagegen. Aber sie kriegen eine Erkältung, beharrte die Vernunft, während der Wasserkocher zischte. Die kriegen sie um diese Jahreszeit vielleicht auch so, gähnte die Gelassenheit, während ich mir Wasser in die Tasse goss.

Nachdem ich meinen Tee getrunken hatte, merkte ich, dass mir die Kälte, die durch die offene Terrassentür herein kam, unangenehm wurde. Den leicht bekleideten Kindern schien es ähnlich zu gehen, denn sie kamen herein. Wieder zogen sie an mir vorbei und verschwanden in einem der Kinderzimmer. Mittagessen, schoss es mir durch den Kopf und ich wollte Käsebrote schmieren. Anderseits standen da noch die süßen Brötchen vom Morgen rum und was ist schöner, nachdem man gefroren hat, als ein süßes Leckerchen für Körper und Seele? Und so stellte ich abermals den Wasserkocher an und schmierte Nuss-Nougat Creme auf süße Brötchen.

Oben spielten die Kinder versunken. Ich müsste sie jetzt an den Essenstisch rufen, zum Lagerfeuer. Wer hier regelmäßig mitliest weiß, wie wichtig mir unsere gemeinsamen Mahlzeiten sind und wie gern ich alle ums Lagerfeuer versammele. Doch sie spielten wirklich wunderschön und vielleicht würde ja auch ein Fußbodenpicknick super in ihr Spiel passen. Und so servierte ich den drei Geheimagenten ihre ungesunde Mahlzeit auf dem Kinderzimmerfußboden und verzog mich leise wieder an meinen Laptop.

Dort blieb ich noch eine ganze Weile, bevor ich mir den (so gut wie nie genutzten) Fernseher im Schlafzimmer anstellte und anfing, die Wäschestapel von mindestens einer Woche zu sortieren. Irgendwann gesellten sich die Kinder nach und nach zu mir. Sprangen auf dem Bett. Halfen mal hier und da – und verbreiteten neues Chaos. Nebenbei liefen die Gilmore Girls und das eine Kind fragte, wann es endlich Kaffee trinken dürfe.

Irgendwann kam mein Mann nach Hause und ich flitzte zum Supermarkt, um etwas fürs Abendessen einzukaufen. Das war das Einzige, was an diesem Tag wie gewohnt lief. Danach legten wir drei müde gespielte Kinder ins Bett – oder besser gesagt quer über zwei zusammengeschobene Matratzen, die sie auf dem Boden eines Kinderzimmers ausgebreitet hatten.

Und die Welt drehte sich ganz normal weiter.

2 Kommentare

  1. Liebe Daniela
    Dieser Blogeintrag ist so erfrischend-ehrlich und ansprechend-authentisch!
    Vielen Dank fürs Teilen. Auch ich kenne bestens die Kämpfe zwischen der Vernunftstimme und der Stimme der Gelassenheit – und so durfte mein kleiner Sohn heute trotz fehlender Matschhose im Gartenbeet buddeln und die letzten nicht-wirklich-reifen Cherry-Tomaten von der halb erfrorenen Staude kosten.
    Nochmals herzlichen Dank! 🙂

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