Familienleben im Fluss. Veränderungen

Familienleben im Fluss – wenn sich die Dinge verändern

Während die südlichen Bundesländer noch immer Ferien haben, stecken wir schon wieder mitten im Alltag. Wir brauchen meistens eine Weile, um nach den Sommerferien wieder einen Rhythmus zu finden, doch diesmal ist es noch ein bisschen anders. Unser erstes Kind hat die Grundschule verlassen und ist nun auf einer weiterführenden Schule. Dass das in mancherlei Hinsicht herausfordernd werden würde, hatte ich geahnt. Dass sich so viel in so kurzer Zeit verändert, nicht. Familienleben im Fluss – das ist es immer! Doch es gibt Zeiten, da gleiten wir im ruhigen Fahrwasser dahin. Und es gibt Zeiten, da schießen wir über Stromschnellen.

Schritte von uns weg

Es fängt allein schon damit an, dass die neue Schule des großen Kindes im Ganztagsbetrieb arbeitet. Das bedeutet, dieses Kind ist an den meisten Tagen erst gegen frühen Nachmittag wieder zu Hause. An dem einzigen Tag in der Woche, an dem das nicht so ist, hat das mittlere Kind lange Schule. Unser Lagerfeuer am Mittagstisch gibt es also nicht mehr. Ich verbringe zwar immer noch viel Zeit hier – doch nicht mehr mit allen Kindern zusammen. Doch nicht nur der Tagesablauf hat sich verändert. Auch wir verändern uns gerade. Ein Kind wird größer – das ist deutlich zu spüren. Der Schritt in die neue Schule ist auch ein weiterer großer Schritt von uns weg. Dinge, bei denen ich bis vor kurzem noch gefragt war, unternimmt es nun allein. Auch das mittlere und sogar das kleine Kind machen Schritte. Werden selbständiger. Sind mehr im Außen.

Neue Rituale – alte Werte

Da bist du ganz schnell raus – sagte mir neulich jemand. Ich habe widersprochen. Zumindest in Gedanken. Nein, da halte ich es ganz mit der lieben Sandra, von 7 Geisslein, da werde ich nie raus sein. Es wird anders sein. Ich werde zukünftig nicht mehr jeden Schritt begleiten. Nicht mehr jede Hausaufgabe kontrollieren. Nicht mehr zu jeder schulischen Veranstaltung mit dackeln. Und doch bin ich gefragt. Mit Rat und Tat. Mit der nötigen Unterstützung beim Einfinden in das große Maß an Selbstorganisation, das auf einmal gefragt ist. Und natürlich auch mit Nähe. Unser Esstisch mag mittags nicht mehr voll besetzt sein, doch er bleibt unser Lagerfeuer. Ich sitze hier einfach rum, mal mit diesem Kind, mal mit jenem. Mal mit zweien und jeden Nachmittag, da sitze ich irgendwo mit allen drei Kindern. Im Moment – dem herrlichen Spätsommer sei Dank – sitzen wir oft mit großen Schüsseln voller selbstgemachtem Fruchteis auf unserer Bank vor der Haustür. Ich halte unser Lagerfeuer auch weiterhin am Brennen.

Ich glaube, das ist es, worum es geht, wenn die Kinder größer werden. Es geht darum, die Feuerstelle weiterhin warm zu halten. Nestwärme ist nichts, was sie nur in den ersten zehn Jahren ihrer Kindheit brauchen. Es ist ein permanentes Bedürfnis. Es verändert sich nur die Art, wie sie diese Wärme aufnehmen. Vielleicht auch die Häufigkeit. Aus “immer überall dabei” wird eine leisere Präsenz im Hintergrund. Eine, die signalisiert, dass jeder Schritt in die Selbständigkeit okay ist – und dass das breite Auffangnetz schon gespannt ist, wenn jemand dabei stolpert.

4 Kommentare

  1. Ja, genau so ist es. Ich bin immer ganz erstaunt, das die Leute gerne sagen, ach der Große, der ist doch schon so selbstständig. Damit hast du ja gar nichts mehr zu tun. Ist das so mit euren Kindern, denke ich mir dann? Das erstaunt mich. Die brauchen uns doch noch immer sehr und ich bin immer noch die, die das Nest warm hält.

    Hier verändert sich auch viel und ich muss noch schauen, wie ich es gut koordiniere. Ich finde den Start nach den Sommerferien immer sehr anstrengend. Bis es da wieder gut läuft, dauert es oft.

    Liebe Grüße
    Andrea, die Großfamilienmama

    1. Hallo Andrea, danke für deinen Kommentar. Schön von dir zu lesen. Ich finde, du hast total recht. Raus ist man doch nie. Selbst nachdem ich ausgezogen war, hat mich die Gemütlichkeit in meinem Elternhaus noch berührt, zum Beispiel der adventlich gedeckte Tisch meiner Mutter oder meinem Vater in der Abenddämmerung beim Blumen gießen zu zusehen, der Geruch meines Elternhauses und einfach das Gefühl, jederzeit und immer willkommen zu sein.

  2. Wie wahr. Neue Selbständigkeit bringt auch neue Herausforderungen und Fragen mit sich. Bei unserem Siebtklässler hat sich viel verändert, er ist cooler und braucht weniger körperliche Nähe. Doch es ergeben sich neue Situationen, neues Wissen, neue Erfahrungen. Und die wollen besprochen werden. Verstanden werden. Und dafür sind wir als Eltern immer noch die Anlaufstelle. Und auch der Ort, wo er sein darf, wie er ist und sich nicht zusammenreißen muss. Ich will gar nicht raus sein. Und er will uns nicht raus haben. Er will nur, dass wir anklopfen. Er will nur, dass die Tür offen ist, durch die er kommen kann.
    Danke für deine guten Gedanken. Den Lagerfeuervergleich kannte ich noch nicht 🙂 LG, Bettina

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