Eltern sein – Familie leben

Den passenden Babysitter finden

Auf meinen Beitrag über unser Ritual als Paar, am Jahresanfang Abende zu zweit zu planen, habe ich verschiedene Reaktionen bekommen. Manche fanden es eine tolle Idee und wollen sie gern übernehmen. Doch es gab auch kritische Stimmen und Nachfragen. So waren einige sehr verwundert, dass wir über ein Netz aus Babysittern verfügen und dass unsere Kinder auch kein Problem damit haben, von diesen betreut zu werden. Nun, dass unsere Kinder unsere Babysitter akzeptieren, war sehr leicht, denn die meisten gehören zu unserer Familie. Ein Selbstläufer war es aber trotzdem nicht, den passenden Babysitter zu finden.

Jedes Paar, das ich kenne, verspürt irgendwann Sehnsucht nach etwas mehr Zweisamkeit. Manche haben auch aus anderen Gründen gar keine andere Wahl, als Menschen so in ihr Familienleben zu integrieren, dass ihre Kinder sich mit ihnen sicher genug fühlen, um sich betreuen zu lassen. Wer das Glück hat, die eigenen Eltern in der Nähe zu haben, hat natürlich eine gute Ausgangsposition dafür, vorausgesetzt, man hat ein gutes und vertrauensvolles Verhältnis zueinander. Doch auch andere Menschen können zu Personen werden, bei denen sich unsere Kinder rundherum wohl fühlen. Wichtig ist in jedem Fall, dass sich alle Beteiligten viel Zeit nehmen, diesen Prozess zu starten.

Andere Menschen von Anfang an mit einbeziehen

Im besten Fall bezieht ein junges Paar von Anfang an andere Menschen in ihr Familienleben mit ein. Wenn es gut läuft, sind das Freunde oder Verwandte, die Interesse an der Familie zeigen und zusammen mit den Eltern und dem Baby in diesen neuen Lebensabschnitt wachsen wollen. Es sind Personen, die regelmäßig kommen und Kontakt haben und so von den Kindern von Anfang an als zur Familie zugehörig erlebt werden. Das können Omas und Opas sein, aber genauso gut Freunde oder enge Nachbarn. Man lebt auf diese Art ein bisschen das alte Konzept der Großfamilie oder des Clans, bei dem es selbstverständlich war, dass mehrere Erwachsene sich die Aufgaben der Kinderpflege teilen und Kinder von Anfang an mehrere Personen um sich herum kannten.

Wenn unsere Kinder uns in selbstverständlicher und positiver Interaktion mit anderen Erwachsenen erleben, fällt es auch ihnen leichter, Vertrauen aufzubauen. Wenn sie sehen, wie wir unser Haus für jemanden öffnen, gehört derjenige auch zu ihrer Lebenswelt. Das bedeutet aber längst noch nicht, dass man sie sofort und ohne weiteres mit der anderen Person allein lassen kann und dass das dann auch funktioniert. Sich an die Betreuung durch eine andere Person, als die primären Bindungspersonen zu gewöhnen, braucht Zeit und gewisse Bedingungen. Säuglingen, gerade wenn sie gestillt werden, fällt es oft sogar schwer, bei ihren Papas zu bleiben, wenn normalerweise die Mama den größeren Teil der Betreuung übernimmt. Sie sind absolute Gewohnheitstiere und ihr Sicherheitsgefühl steht und fällt mit der Präsenz ihrer ersten Bindungsperson. Doch sie entwickeln sich auch. Umso vertrauer sie mit anderen sind, desto leichter fällt es ihnen nach und nach auch, mit ihnen Zeit zu verbringen. Das fängt vielleicht nur damit an, dass sie kurz auf einem anderen Arm bleiben, wenn Mama zur Toilette muss und geht weiter damit, dass diese mal zwanzig Minuten in den Supermarkt gehen kann. Gerade im ersten Lebensjahr sind die Räume für weitere Aktivitäten dann oft noch eng gesetzt. Doch dran bleiben lohnt sich, denn ein Kontakt, der so langsam und zwanglos wachsen darf, hat beste Voraussetzungen, irgendwann eng genug zu werden, das auch ein längerer Zeitraum problemlos überbrückt werden kann.

Menschen, die sowieso zum Umfeld gehören

Doch wer kommt für so etwas überhaupt in Frage? Am Ehesten natürlich Großeltern oder andere Verwandte, die aus tiefstem Herzen Interesse an uns und unseren Kindern haben. Auch kinderlose Freunde oder solche mit bereits großen Kindern haben manchmal Lust und Zeit, uns eng zur Seite zu stehen. Schwieriger wird es, wenn unser Freundeskreis zum größten Teil aus Menschen besteht, die sich gerade in einer ähnlichen Lebensphase wie wir selbst befinden. Doch auch das kann funktionieren, wenn wir uns entschließen, unser Leben (oder ein Stück davon) mit anderen jungen Familien zu teilen. Es gibt viele tolle Möglichkeiten, wie solche Elternclans sich gegenseitig unterstützen können. Unter anderem das Artgerechtprojekt und Geborgen wachsen greifen dieses Thema immer mal wieder auf und haben gute Ideen dazu, wie junge Familien enger zusammenrücken können.

Professionelle Babysitter finden

Doch was, wenn all das nicht vorhanden ist? Dann ist es gut, sich auf die Suche nach professionellen Babysittern zu machen – also nach Menschen, die dafür bezahlt werden, dass sie einige Stunden auf eure Kinder aufpassen. Nur, weil ihr miteinander dann in eine Geschäftsbeziehung tretet, muss das aber nicht heißen, dass euer Verhältnis nicht eng und freundschaftlich sein kann. Im Gegenteil, das sind sogar die besten Voraussetzungen dafür, dass es auch gut zwischen euren Kindern und dem Babysitter funktioniert. Jemanden von Außen in die Familie zu holen, sollte gut geplant sein und man sollte sich frühzeitig Gedanken darüber machen, wen man für sein Kind haben möchte. Gut ist es, wenn man auf Empfehlungen von Freunden zurückgreifen kann. Ansonsten gibt es manchmal bei offiziellen Stellen wie Mehrgenerationenhäusern oder Familienzentren auch Börsen, über die man einen Babysitter finden kann. Manchmal sind diese sogar vorher geschult worden und haben bspw. Kenntnisse in erster Hilfe für Babys und Kleinkinder, was sehr sinnvoll sein kann.

Ein Babysitter sollte in jedem Fall bereits Erfahrung mit kleinen Kindern gesammelt haben, beispielsweise bei jüngeren Geschwistern. Zu jung sollte die Person, die sie auf ihre Kinder aufpassen lassen, auch nicht sein. Im ersten Kontakt mit einer jungen Familie sollte Interesse an Kindern und Spaß am Spielen und sich mit ihnen Beschäftigen sichtbar werden. Außerdem sollte ein Babysitter die Werte der Eltern im Umgang mit Kindern teilen. Sie sollten sich auch hier Zeit nehmen und jemanden, der in Frage kommt, zusammen mit ihrem Kind beobachten, um rauszufinden, ob die Chemie stimmt. Die ersten Termine mit dem Babysitter sind zum Kennenlernen gedacht und es wird vielleicht einige Wochen dauern, bis man wirklich aus dem Haus gehen kann. Doch es lohnt sich, diese Zeit und dieses Geld zu investieren, wenn man hinterher mit einem guten Gefühl von Zeit zu Zeit Zweisamkeit außer Haus genießen kann und die Kinder gut betreut weiß.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.