Eltern sein – Familie leben

Hoffen – inmitten von Zerbrochenheit

Das letzte Wochenende habe ich in einer Blase verbracht. Abgeschottet von der Außenwelt in einem Gästehaus in Essen, zusammen mit zwanzig anderen Frauen. Wir waren dort, weil wir alle mindestens zwei Dinge gemeinsam haben. Wir schreiben (Blogs) und wir gehen unseren Weg mit Jesus. Ach ja – und etwas Drittes eint uns. Etwas, das wir mit jedem anderen Menschen dieser Welt gemeinsam haben. Wir sind zerbrochen.

Neben all dem fachlichen Input hatten wir auch Gelegenheit, unsere kaputten Stellen miteinander zu teilen. Die, an denen wir verwundbar sind. Die Stellen, an denen Neid, Missgunst, bösartige Motive, vorschnelle Worte oder Wut an uns nagen. Oder die Narben von uralten Verletzungen, die immer noch schmerzen.

Doch das Besondere an diesem Wochenende war, dass wir uns am Ende alle ein Stück heiler fühlten. Es war, als hätte unsere Gemeinschaft uns einen Vorgeschmack auf das gegeben, was einmal auf uns wartet.

Ich war gestärkt, als ich das Seminargebäude verließ – und voller Hoffnung. Doch die Realität holte mich schnell ein. Als ich am Bahnhof eineinhalb Stunden auf meinen Zug wartete, zeigte sich die Welt wieder in all ihrem Zerbruch. In den Gesichtern von Menschen, die am Rand saßen, ohne Dach über dem Kopf, mit einem Schlafsack und einem Trinkbecher, in dem sie ein paar Münzen sammelten. In Passanten, die schimpfend und schubsend an anderen vorbeihetzten, auf dem Weg zum nächsten Anschlusszug. In Schlagzeilen in den Zeitungen, die ich im Presseladen fand und die von Angst und Gewalt berichteten. In kostümierten Jecken, die vergessen hatten, dass ihr Spaß da enden muss, wo es für andere Leute unangenehm wird. Die wahrscheinlich nicht mal ahnten, dass ihre lustige Idee, einen Zug am Weiterfahren zu hindern, der Grund war, warum der Junge neben mir ein paar Stunden später keinen Anschlusszug mehr in sein Dorf bekam.

Schnell kam mir die Wärme und die Liebe des Wochenendes weit weg vor. Wie konnte ich so naiv sein, an die Kraft der Nächstenliebe zu glauben, die ich am Morgen noch so stark gespürt hatte, als wir unseren Abschlussgottesdienst feierten? Ich war in einer Blase gewesen. In einem Kreis von Menschen, die einander für zwei Tage in ein Kokon aus Zuneigung und Wertschätzung gehüllt hatten, an dem die Kälte der Welt abprallte. So konnten wir uns für kurze Zeit der Hoffnung hingeben, dass unser Licht heller war, als die Dunkelheit der Welt.

Und nun? War das alles nur eine große Illusion, die im realen Alltag schnell verpufft? Eine Einbildung, die nicht standhalten kann, in einer Welt, in der ein heute noch kerngesunder Mensch morgen unheilbar an Krebs erkranken kann, in der Menschen aufeinander schießen und in der Angst stärker ist als Liebe?

Ich glaube nicht. Denn es gibt jemanden, der uns jeden Tag mit in seine persönliche Filterblase nehmen möchte. Jesus will uns ständig in dieses Kokon aus Liebe und Zuneigung hüllen, an dem die giftigen Pfeile dieser Welt abprallen. Bei ihm muss es nicht nur eine wage Hoffnung bleiben, dass unser Licht hell leuchtet, denn genau dafür hat er uns bestimmt. Bei ihm dürfen wir jeden Tag darauf hoffen, dass die Zerbrochenheit dieser Welt nicht das letzte Wort hat.

Zu diesem Artikel wurde ich von Veronika Smoor und Christina Schöffler inspiriert. Er ist meine persönliche Verarbeitung einiger wunderbarer Impulse, die die beiden Frauen uns im Abschlussgottesdienst des christlichen Bloggertreffens gegeben haben. 

 

2 Kommentare

  1. Liebe Daniela! Danke für diese wertvollen Gedanken! Hoffnung, mitten in unserer Zerbrochenheit… einer meiner Lieblingsautoren Brennan Manning sagte das so wunderbar: “No evil can resist grace forever!” Das glaube ich. Herzlichste Segensgrüße zu Dir!!!!

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