Eltern sein – Familie leben

Gemeinsame Mahlzeiten mit Kindern

Im Netz ist es manchmal komisch. Ab und zu schreibe ich Artikel, bei denen ich fürchte, dass sie jemanden stören könnten. Dass sie mindestens polarisieren. Ich mache mich dann innerlich auf kritische Kommentare gefasst. Manchmal kommen sie auch, wie damals, als ich über die kranken Kinder schrieb, die meiner Meinung nach immer noch nach Hause gehören. Manchmal bleiben sie allerdings auch aus. Und dann schreibe ich einen vermeintlich völlig harmlosen Artikel über gemeinsame Mahlzeiten mit unseren Kindern und auf einmal stecke ich mitten in Twitter-Diskussionen, bekomme WhatsApp Nachrichten und Kommentare. Zuerst war ich verwundert – doch dann habe ich verstanden. Es ist diese hohe Messlatte der perfekten Social Media Welt, die sich irgendwie für euch in meinem Beitrag gespiegelt hat.

Und wisst ihr was, danke, dass ihr mir das zurückgegeben habt. Ehrlich, ich finde es toll, dass ihr euch die paar Minuten Zeit genommen habt, um eurem Frust freien Lauf zu lassen. Ich habe nämlich auch schon ab und zu vor Blogbeiträgen gesessen und mich schlecht gefühlt. Schlecht, weil ich darin ein hohes Ideal wiedergefunden habe, dem ich niemals im Leben entsprechen kann. Manchmal habe ich mich gefragt, ob ich das mal zurückmelden sollte. Doch dann habe ich es gelassen. Ich habe es gelassen, weil ich nicht das Gefühl hatte, dass diese perfekte Hochglanzwelt, die dort gezeigt wurde, offen für meine Anmerkung ist. Dass ihr mir eine solche Rückmeldung gegeben habt, zeigt mir, dass ihr mir grundsätzlich vertraut und eben nicht als eine von denen seht, bei der Kritik eh nicht mehr ankommt. Es zeigt mir auch, dass ich mit meinem Blog dort geblieben bin, wo ich sein möchte, auf dem Boden. Und es zeigt mir, dass ihr mich genau da haben wollt. Nicht weit oben über den Dingen, eine Welt präsentierend, die es erstens nicht gibt und die zweitens nicht erstrebenswert wäre, sondern mitten unter euch – im lärmenden, dreckigen Alltag mit Kindern.

Deshalb ist es mir total wichtig, das Thema gemeinsame Mahlzeiten heute noch einmal aufzugreifen. Ich habe diesen Beitrag geschrieben, weil es für mich ein Herzensding ist, in meiner Familie diesen Raum zu schaffen. Ich habe ihn auch geschrieben, weil ich es tatsächlich für eine gute Möglichkeit halte, Nähe und Austausch in einer Familie herzustellen und Nestwärme zu schaffen. Ich habe den Beitrag aber nicht geschrieben, weil ich unseren Weg für den Königsweg halte. Nein, neben dem Familientisch gibt es 1000 andere Dinge, die als gute Anker im Familienleben taugen und für manche sind gemeinsame Mahlzeiten einfach nichts. Das ist in Ordnung.

Essen und Atmosphäre sind irgendwie mein Ding. Ich bin die, die immer irgendwas zu essen hinstellt, wenn jemand kommt. Ich koche leidenschaftlich gern, ich backe, ich liebe es in meiner Küche zu werkeln und andere damit glücklich zu machen. Essen war bei mir schon immer ein Inbegriff von Beisammensein und Gemütlichkeit. Diesen Raum für gemeinsames Essen zu bieten, ist Teil meiner Liebessprache. Eine, die ich beherrsche, während ich in anderen manchmal nicht so gut bin. Unser Tisch ist unser Lagerfeuer, an dem nicht nur gegessen, sondern auf vorgelesen, diskutiert und gespielt wird. Oft bleiben wir nach der Mahlzeit einfach sitzen und gehen von einem ins andere über. Es funktioniert für uns. Meistens!

Das heißt aber nicht, dass um unseren Tisch ständig eine weiße Wolke aus friedlicher Glückseligkeit schweben würde. Selbstverständlich nicht. Da sind Kinder, die total übermüdet sind. Da sind Kinder, die meine Pilzsuppe ekelhaft finden. Da sind Kinder, die sauer sind, dass es nicht zum fünften Mal in dieser Woche Nudeln gibt. Da sind Kinder, die keinen Hunger haben und lieber spielen wollen oder mal müssen und auf dem Klo nicht allein sein wollen und sich das Töpfchen deshalb genau neben den Tisch stellen. Es gibt umgeworfene Trinkbecher, Schimpfwörter, Tage, an denen kein Erwachsener je einen Satz zu Ende sagen kann. Es gibt Tränen, böse Worte, Kinder die türenknallend mitten im Essen wegrennen (oder Erwachsene). So wie das Leben früher um die Lagerfeuer stattgefunden hat, findet es heute rund um unseren Tisch statt. Mit all seinen Facetten. Und dennoch – oder vielleicht genau deshalb – lieben wir ihn, unseren Familientisch. (Und vielleicht auch, weil wir Vieles gar nicht so eng sehen, was andere als schlechte Tischmanieren bezeichnen würden).

Doch zum Glück sind wir als Familie alles andere als ein Gradmesser für gelungene Elternschaft. Ich tue das, was viele Blogger tun – ich gebe mit Freude und Leidenschaft weiter, was für uns funktioniert und freue mich, wenn ich andere damit inspirieren kann. Doch ich möchte damit keine Messlatte legen. Für uns mag es der Familientisch sein, für andere ist es etwas total anderes und das ist in Ordnung. Wenn ihr hier etwas findet, was für euch nicht geht, dann werft es weg. Behaltet von mir was gut ist und vergesst den Rest. Ich glaube das ist so oder so der einzige Weg, langfristig als Medienkonsument zu überleben.

3 Kommentare

  1. Liebe Daniela, du sprichst mir aus dem Herzen! Auch bei uns waren und sind die gemeinsamen Mahlzeiten Treffpunkt, Gedanken- und Gefühlsaustausch sowie Innbegriff von Zusammengehörigkeit und wohlfühlen. Da ich deine Leidenschaft fürs Kochen und essen teile, bin ich auch achtsam im Umgang mit individuellen Vorlieben und Bedürfnissen und freue mich jedesmal aufs Neue, wenn das, was auf den Tisch kommt Anklang findet. 😊 Das findet sich auch in meinen Kindern wieder, wie ein Spruch meines Sohnes aus seiner Kindergartenzeit beweist: “Danke, ich nehme lieber nichts. Ich gehe bald nach Hause und da kocht meine Mama mir was Gutes.” 😁
    Du siehst also, für uns funktioniert deine Empfehlung! 😊 Lg Katrin

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