Eltern sein – Familie leben

Camping mit Kindern in Südtirol

Für uns Hessen sind die Sommerferien heute rum, doch viele andere Bundesländer sind noch mittendrin. Vielleicht braucht ja der eine oder andere noch einen guten Tipp für eine spontane Reise in letzter Minute? Oder geht es euch so wie uns – ihr überlegt schon ein bisschen, wo es im nächsten Jahr hingehen könnte? Camping mit Kindern in Südtirol ist auf alle Fälle sehr empfehlenswert.

Warum es Südtirol wurde

Manchmal laufen Dinge einfach nicht so, wie wir uns das wünschen. Manchmal müssen wir uns von Ideen verabschieden. Manchmal müssen wir sogar Träume loslassen, die uns zuvor fast ein ganzes Jahr lang angetrieben haben. Als mein Mann eine Woche vor unserer geplanten Abreise in den Sommerurlaub plötzlich heftige Bauchschmerzen bekam, dachte ich nicht sofort daran, dass dies unseren lange geplanten Urlaub am südfranzösischen Mittelmeer ernsthaft gefährden könnte. Als es ihm einige Tage danach nicht besser ging, änderte sich das langsam. Ich begann zu ahnen, dass dieser Sommer anders verlaufen könnte, als geplant.

Mein Mann lag letztlich über eine Woche völlig danieder. So feierte ich meinen Geburtstag nicht, wie geplant, mit Meeresfrüchten und Weißwein in der ersten Reihe am Meer, sondern zu Hause, mit meinen Eltern, meiner Schwiegermutter, zwei Freundinnen und natürlich meinen Kindern, die sich alle zusammen rührend viel Mühe gaben, mir den Tag so schön wie möglich zu machen. Mein Liebster lag derweil mit Kamillentee im Bett.

Das einzig Gute an diesem Arschloch unter den Infekten war, dass er irgendwann ähnlich plötzlich verschwand, wie er gekommen war. Doch 1200 Kilometer Autofahrt bis zum Mittelmeer waren uns dann, nachdem wir schon vier Tage verloren hatten, einfach zu viel und so beschlossen wir, unser Ziel zu ändern. In Südtirol waren wir vor zwei Jahren schon einmal. So wussten wir, dass wir uns dort sehr wohlfühlen würden. Südtirol bietet so ziemlich alles, was unser Familensommerherz  begehrt. Sonne, ein Bergpanorama, dessen Schönheit mir immer wieder die Sprache verschlägt, abwechslungsreiche Ausflugsziele und Bademöglichkeiten – außerdem nette Menschen, gutes Essen und Wein.

Der Campingplatz

Neben dem bisschen Pech, dass wir vor unserer Abreise hatten, hatten wir auch jede Menge Glück. Allen voran damit, dass der Campingpark Tisens, auf dem wir vor zwei Jahren schon einmal waren, noch einen Stellplatz für uns hatte. Dieser Platz ist aus mehreren Gründen für uns genau richtig. Zum einen liegt er auf halber Strecke zwischen Meran und Bozen und ist deshalb ein sehr guter Ausgangspunkt für Ausflüge in alle Richtungen. Zum anderen ist er eher klein und übersichtlich, was es sehr entspannt macht, weil die Kinder sich frei und sicher dort bewegen können. Das absolut Beste ist jedoch der Pool. Er besteht aus einem Schwimmer- und einem Nichtschwimmerbereich, einem extra Babybecken und einer großen Liegewiese von der aus man einen Wahnsinnsblick ins Bergpanorama hat.

 

Dort haben wir in diesem Jahr ziemlich viele Tage unseres Urlaubs einfach vergammelt. Wir haben es nach all der Aufregung im Voraus sehr genossen, einfach entspannt in den Tag zu leben. Aufstehen – in Ruhe frühstücken – Badesachen anziehen – am Pool liegen, schwimmen, lesen, kuscheln – einen Snack einnehmen – Eis essen – noch mehr schwimmen, am Pool liegen und lesen – etwas zum Abendessen kochen – Wein trinken – Bergpanorama genießen – lesen – schlafen.

Wir hätten ewig so weitermachen können. Anderseits lockte uns dann doch all das, was es direkt vor unserer Haustür und auch etwas weiter entfernt zu entdecken gab und so haben wir auch ab und zu mal etwas unternommen.

 

Entspannte Familienzeit

Je länger wir Familie leben, desto mehr wird uns klar, dass es im Urlaub nicht so sehr darum geht, was wir gesehen und erlebt haben, sondern wie das Grundgefühl war. Ein Grundgefühl, was für uns alle gut ist, ist Freiheit. Unseren Kindern geht es sehr gut, wenn sie möglichst selbstbestimmt in den Tag leben dürfen und wenn wir Zeit für sie haben. Für uns ist weniger im Urlaub mehr. Wir brauchen keine Plätze mit Animation, zehn verschiedenen Badelandschaften, vergoldeten Wasserhähnen oder Abenteuerspielplätzen. Was wir brauchen, ist Übersichtlichkeit. Ein Ort, an dem wir schnell ankommen dürfen und an dem sich alle wohl und sicher fühlen. Einen Ort, an dem keiner verloren geht. Einen Ort, an dem wir keine Angst haben müssen, dass etwas passiert, wenn wir ein paar Minuten nicht hinschauen. Einen Ort, an dem wir aus einer reichhaltigen Palette von Freizeitsmöglichkeiten auswählen können – aber nicht müssen. All das hat uns Südtirol dieses Jahr geboten.

Sonne, Berge, Wasser, und Apfelbäume haben uns wieder aufgebaut, die Traurigkeit darüber abgewischt, dass wir nicht am Mittelmeer waren und uns die Anspannung der Wochen davor genommen. Eine Heilsame Gegend habt ihr euch ausgesucht, sagte eine Freundin kurz vor unserer Abreise zu mir – und sie hatte recht. Als wir unser geliebtes Bergpanorama nach siebzehn Tagen loslassen mussten, waren wir heil, voller Dankbarkeit und voller Urlaubsweh.

Südtirol, wir kommen ganz sicher wieder!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.