Eltern sein – Familie leben

Zu zweit in der Rhön

Ich habe ja so einige Sehnsuchtsorte auf der Welt. Einige sind ziemlich weit weg und manche liegen in Ländern, die man derzeit nicht wirklich gut bereisen kann. Ein paar dieser Orte werde ich irgendwann ziemlich sicher wieder bereisen, andere werde ich vielleicht nie wieder sehen, aber für immer im Herzen tragen. Wieder andere Sehnsuchtsorte jedoch liegen direkt vor der Haustür und einer dieser Orte ist die Rhön.

Mindestens einmal im Jahr zieht es mich in das Mittelgebirge im Dreiländer-Eck zwischen Bayern, Hessen und Thüringen und das hat viele Gründe. Einer davon ist das wunderbare Gasthaus zur Krone in Seiferts, auch als das Rhönschaf-Hotel bekannt. Als ich es vor etwa fünfzehn Jahren durch puren Zufall entdeckt habe, war es noch eine Art Geheimtipp – mittlerweile ist es glaube ich nicht mehr ganz so geheim, dass man bei Familie Krenzer richtig gut essen, trinken und schlafen kann. Solltet ihr also mal dort sein, nichts wie hin (aber vorher reservieren, weil wie gesagt, geheim ist das nicht mehr).

Diesmal waren wir aber nicht wegen des guten Apfelsherrys und der regionalen Küche dort – sondern zum Wandern und um unsere jährliche Auszeit als Paar zu feiern. Also sind wir mit dem Wohnwagen losgezogen und haben einen kleinen, familiengerechten Platz in Ehrenberg gefunden, der uns sehr gut gefallen hat. Am Freitagabend, nachdem wir ankamen, haben wir allerdings nicht mehr besonders viel davon gesehen, denn der Starkregen über Osthessen hatte auch diesen Platz fest im Griff und so machten wir es uns mit Meeresfrüchte-Eintopf und Rotwein im Caravan gemütlich und waren sehr dankbar, dass unsere Heizung nach einem kurzen Heimwerkereinsatz vom Mann dann doch noch funktionieren wollte.

Der nächste Tag entschädigte uns vollständig für das Rumpelwetter am Vorabend – und so konnten wir gleich nach dem Frühstück zu unserer geplanten Tagestour aufbrechen. Im Vorfeld hatten wir uns eine circa 15 Kilometer lange Tour durch die Hochrhön ausgesucht, die wir zwischendrin spontan um weitere fünf Kilometer verlängert haben, um noch auf den Gangolfsberg zu steigen. Dieser Umweg hat sich landschaftlich auf jeden Fall total gelohnt und er war die vielen Steigungen und die abenteuerlichen Wege und Treppen, die wohl ursprünglich mal für eine Horde Riesen konzipiert worden sind, auf jeden Fall wert. Die Wege durch die Hochrhön waren zum Teil noch stark vom Wetterextrem des Vorabends gekennzeichnet, jedoch trotzdem begehbar (auch wenn ich mir an manchen Stellen Gummistiefel gewünscht hätte). Unser kleiner Umweg hat uns außerdem am Schweinfurter Haus vorbei geführt, einer urigen Hütte, die ich als Einkehrmöglichkeit wärmstens empfehlen kann.

Gegen 18 Uhr waren wir dann wieder am Campingplatz – müde, durstig und vor allem ziemlich hungrig haben wir alles, was wir so da hatten, auf den Grill geschmissen und uns an der Rezeption mit Bier ausgestattet. Alt sind wir zwei an diesem Abend nicht geworden – aber ziemlich glücklich, weil diese Wanderung uns unglaublich gut getan hat. Wir konnten wunderbar loslassen, den Alltag wegschieben, uns gut unterhalten, gemeinsam über steinige Pfade klettern, uns anschweigen, über- und miteinander lachen und uns überlegen, wo wir beim nächsten Mal, wenn wir wieder zu fünft in der Rhön sind, laufen können und wo eher nicht.

Am Sonntag hatten wir dann dank der freundlichen Platzbetreiber keinerlei Stress mit der Abfahrt und konnten in Ruhe und ausgiebig frühstücken und noch ein bisschen spazieren gehen, bevor wir unser Schneckenhaus gepackt haben und wieder nach Hause zu unseren Lieblingsmenschen gefahren sind. Die haben uns zusammen mit den Großeltern schon im sonnigen Garten erwartet. Vor lauter Wiedersehensfreude, knuddeln, Kuchen essen und Sonne genießen habe ich ganz vergessen, dass ich eigentlich in den Abendgottesdienst wollte – nun ja – manchmal ist Gott eben ganz woanders. Auf steinigen Wanderwegen, im gemütlichen Wohnwagen während eines Unwetters oder im sonnigen Garten unter lauter geliebten Menschen. Man muss nur die Augen für ihn offen halten.

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