Eltern sein – Familie leben

Fürsorge leben und lehren

Mein Artikel über die kranken Kinder, die nach Hause gehören, wird gerade wieder sehr oft gelesen. Daraus schließe ich, dass es nicht nur mein Heim in ein Lazarett verwandelt wurde, sondern viele Kinder gerade krank das Haus hüten müssen. Eine Zeit, die uns Eltern viel abverlangt. Eine Zeit, in der unsere Liebe und Fürsorge mehr als zu allen anderen Zeiten gefragt ist.

Doch was genau bedeutet es eigentlich, fürsorglich zu sein? Fürsorge hat im erweiterten Sinne viele Bedeutungen: Pflegen, sorgen, aber auch verwalten. Unsere Kinder haben den, durch verschiedene Gesetze geregelten, Anspruch auf unsere Fürsorge. Doch das, was hier unter Fürsorge verstanden wird, ist sehr viel weitläufiger definiert, als das, was die meisten Eltern zu Hause tatsächlich für ihre Kinder tun.

Fürsorge im Krankheitsfall, das bedeutet für viele Eltern einen 24-Stunden Dauereinsatz. Wir kuscheln, wir trösten, wir messen Fieber, wir senken Fieber, wenn es wirklich nötig ist, wir kochen Hühnersuppe, wir lesen vor, machen Hörspiele an, kochen das Lieblingsessen und machen vitaminhaltige Säfte und Smoothies. Wir gehen mit ihnen zum Arzt, inhalieren, geben Hustensaft und Nasentropfen. Wir machen Wickel und kühlen die Stirn, wir ziehen dem fröstelnden Kind die Decke bis zum Hals hoch und fünf Minuten später wieder runter, weil es schwitzt. Wir sind da, wir pflegen, wir sind an ihrer Seite und wir bleiben es auch dann, wenn wir selbst eigentlich total erschöpft sind.

Was wir tun, hat nichts mit dem Abarbeiten einer Fürsorgepflicht zutun – denn wir tun es aus Liebe. Wir können gar nicht anders, als nochmal nachzuschauen, ob es ihnen gut geht, uns trotz vieler anderer zu erledigter Dinge zu ihnen ins Bett zu legen, wenn sie jammern oder in der Nacht an ihrer Seite zu bleiben, obwohl uns die Augen schon zufallen. Es ist in uns angelegt und es bedarf vieler eingebläuter Glaubenssätze und viel Druck von Außen, um uns diesen Wunsch nach Fürsorge zu nehmen – und das ist auch gut so.

Es ist gut, dass wir alles für unsere Kinder geben, wenn sie uns brauchen. Es ist gut, dass sie spüren dürfen, dass wir ihnen weit mehr geben, als eine Grundversorgung. Es ist gut, dass sie unsere Liebe und Sorge kennenlernen. Es ist deswegen gut, weil sie das, was sie heute von uns lernen dürfen, morgen weitergeben können. Irgendwann werden unsere Kinder zu der Generation gehören, die Fürsorge geben muss – ihren eigenen Kinder und einer immer größer werdenden Zahl an älteren Menschen. Sie müssen auch in einer sich immer weiter veränderten Welt fürsorglich sein. Fürsorglich, empathisch und liebevoll werden sie den globalen Problemen begegnen müssen, denen sie einmal gegenüber stehen. Wie so etwas geht, das lernen sie von uns und das lernen sie gerade immer dann, wenn es ihnen selbst nicht gut geht.

Doch wir dürfen ihnen noch etwas vorleben – und zwar gesunde Selbstfürsorge. Ja, wir müssen manchmal Tag und Nacht bei ihnen sein, aber wir dürfen auch die Pausen nutzen, die sich dazwischen ergeben. Wir dürfen uns zu ihnen legen und mit ihnen die Augen zu machen, wenn sie gerade einmal eingeschlafen sind – egal ob es drei Uhr nachts oder nachmittags ist. Wir dürfen uns mit einem Kaffee neben den nicht abgearbeiteten Wäschekorb setzen und ein Buch aufschlagen, während die Kinder gerade eine Folge ihrer Lieblingsserie schauen. Wir dürfen nicht nur den Kindern ihr Lieblingsessen kochen, sondern auch uns selbst stärken – mit Vitaminen, ausreichend Wasser – und Schokolade selbst zur Fastenzeit. Wir dürfen Omas, Opas, Nachbarn oder Freunde um Hilfe bitten, uns das Essen kochen lassen, die Einkäufe nach Hause bringen oder eine halbe Stunde bei den Kindern zu bleiben, damit wir kurz draußen verschnaufen können.

Nur mit gesunder Selbstfürsorge können wir gut für andere sorgen. Nur wenn unsere Kinder Selbstfürsorge lernen, werden sie später fit genug sein, diese Welt ein Stück besser zu machen.

3 Kommentare

  1. Sehr schön beschrieben!
    Es ist übrigens manchmal echt traurig, wieviele Erwachsene sich und auch ihre Kinder mit Medikamenten gesünder “mogeln” als sie gerade sind, weil sie glauben, funktionieren zu müssen. Dabei würden Hausmittelchen, die oben beschriebene Fürsorge und ein Tag auf der Couch oder im Bett weit mehr bringen, als sich z.B. Schmerztabletten zu boosten…. Aber zum Glück bedienen sich mittlerweile auch wieder viele Menschen der alten Heilmethoden.

    1. Liebe Caroline, ja da hast du absolut recht. Ich finde auch, dass es mittelfristig meistens viel besser ist, Krankheiten durchzustehen und zum Beispiel Kinder ruhig auch mal fiebern zu lassen.

  2. Sehr richtig und wichtig! Als die Löwenkinder hier im Januar 3 Wochen lang krank waren, blieb auch viel liegen – aber bewusst und deshalb ohne Druck und schlechtes Gewissen. Dafür gab es mehr Schokolade und für die Kinder UND die Mama manchmal ein Lieblingseis gegen die Halsschmerzen. Mir hilft es dann immer, mir noch einmal bewusst zu machen, was ich gerade an Fürsorge leiste und dass die kranken Kinder und mein Nervenkostüm absolute Priorität haben!

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