Eltern sein – Familie leben

Advent ist ein Weg – kein Ziel

Advent – das steht für die meisten eigentlich irgendwie für Besinnlichkeit, Ruhe, Punsch und Plätzchen, entspannte Vorlesestunden und liebevoll dekorierte Wohnungen. Was kuschelig und gemütlich klingt, wird aber oft zu purem Stress, wenn wir uns auf einmal zum Adventen gezwungen fühlen.

Das Haus muss nicht am 1. Advent geschmückt sein

Fast jedes Jahr stehe ich spätestens Ende November irgendwo und werde gefragt, ob ich schon dekoriert habe. Meistens lautet die Antwort nein. Während ich kinderlos oder mit einem Kind selbst noch zu denjenigen gehörte, die ihre Wohnung kurz nach dem Ewigkeitssonntag bereits weihnachtlich aufgehübscht hatten, ist unser Deko mittlerweile eher ein längerer Prozess. Für uns ist nun nicht mehr der 1. Advent der Stichtag für schön geschmückte Fenster, Tannenzweige vor dem Haus und Kerzen, Glanz und Gloria im Wohnzimmer, sondern eher der Startschuss. Nach und nach basteln wir Sterne für die Fenster, hängen gebastelte Engelchen und Kugeln irgendwo auf oder besorgen Dekoration für Draußen. Schön sein soll es, wenn möglich, an Heilig Abend – alles bis dahin ist im Fluss.

Die Plätzchendose ist leer

Unsere Plätzchendose ist gerade leer. Dieses Jahr, so habe ich das Gefühl, haben wir besonders wenig Zeit und Muße zum Backen. Nachdem Kind 2 anfangs noch mit ihren Freundinnen die Weihnachtsbäckerein eröffnet hatte, ist nun alles aufgefuttert und wir kommen nicht zum Nachbacken. Gerade sind wir eher alle etwas angeschlagen und suchen Ruhe. Mich tröstet dabei der Gedanke, dass in orthodoxen Kirchen die Adventszeit sogar Fastenzeit ist – und dass sie auch bei uns keine Zeit des Überflusses und der Völlerei sein muss. Wenn wir ab und zu mal mit Nüssen und Mandarinen vor dem Adventskranz sitzen, dann verhindern wir so zumindest, dass spätestens ab Heilig Abend keiner mehr Lust auf Plätzchen hat.

Advent – die Zeit der Vorbereitungen

Im Advent feiern wir nicht jeden Tag ein rauschendes Fest, sondern wir bereiten uns auf ein großes Fest vor. Wir feiern einen König, der in einem kargen, ärmlichen Stall zur Welt kam und der sicher keinen 30 tägigen Geburtstagsmarathon haben wollte. So wie wir Maria und Josef in unserer Weihnachtskrippe jeden Tag ein Stück näher an den Stall ziehen, so bereiten wir uns im Advent auch Stück für Stück auf die Feiertage vor. Da geht es nicht darum, zu einem bestimmten Stichtag alle Geschenke zu haben oder auf Knopfdruck in Weihnachtsstimmung zu sein, sondern darum, in einem Tempo, mit dem alle Familienmitglieder gut klar kommen, zu erledigen, was wir für wichtig und angemessen halten.

Es darf auch mal richtig unadventlich sein

Werbung, allzu romantische Filme und Zeitschriften gaukeln uns vor, dass der Advent eine Aneinanderreihung von Idylle, Frieden und durch den Schnee tanzenden Familien sei. Hand auf Herz – ist das der derzeitige Zustand in eurem Haus? In unserem nicht. Hier läuft nämlich, obwohl wir Dezember haben, ein ganz normaler Alltag. Ein Alltag mit Klassenarbeiten, Hausaufgaben, winterlichen Infekten, beruflichen Deadlines und großen und kleinen Streitereien. Das Leben hört nämlich nicht auf zu toben, nur weil der Kalender anzeigt, dass wir uns im Advent befinden. Und manchmal fühlt es sich auch nicht an – und das ist in Ordnung so. Der Erwartungsdruck in unseren Köpfen, dass es in dieser besonderen Zeit im Jahr doch irgendwie anders, harmonischer, ruhiger oder friedlicher sein müsste, ändern nämlich nichts am beschrieben Zustand. Im Gegenteil es macht ihn mit unter noch schlimmer, weil wir das Gefühl haben, es müsste doch eigentlich anders sein – und weil wir das Gefühl haben, versagt zu haben, wenn es nicht so ist.
Was für ein großer Blödsinn. Mal ehrlich – glaubt ihr, das junge Paar, das im Mittelpunkt dieses Festes steht, hat sich harmonisch darauf vorbereitet und zu langsamer Musik und dem Duft von Räuchermännchen Nüsse gegessen und sich auf die kommende Geburt vorbereitet? Nein, denn die hatten ganz andere Sorgen. Immerhin hatte Josef gerade erfahren, dass er mit seiner hochschwangeren Frau (die noch dazu das Kind eines anderen trug), eine beschwerliche Reise zu Fuß unternehmen musste, nur weil Kaiser Augustus nach neuen Möglichkeiten suchte, noch mehr Geld einzutreiben. Ich glaube nicht, dass die Worte, die auf dieser Reise und während der Vorbereitung fielen, immer nur freundlich waren und die Laune immer nur gut.

Die Weihnachtszeit endet nicht am 24. Dezember – sie fängt an

Kennt ihr die Familie Heinz Becker? Wenn nicht, unbedingt kennenlernen und ihre Weihnachtsfolge schauen. Danach fühlt ihr euch garantiert besser, egal wo ihr gerade steht. Meine Lieblingsszene ist die, direkt nach der Bescherung, in der Heinz Becker nachdenklich zwischen Geschenkpapier und völlig misslungenen Überraschungen sitzt und feststellt: Jetzt sinn de Weihnachten au schon widder rum! Ach Heinz, kontert seine Frau Hilde empört, es ist doch gerade mo Heilich Obend. Doch Heinz winkt ab. Für ihn endet gefühlsmäßig alles mit dem Auspacken des letzten Geschenkes. Leider ist Heinz Becker nicht der Einzige, der so denkt. Es scheint, als konzentriere sich die ganze Sache mit Weihnachten dann doch auf einen Abend – als würden wir das Wunder der Geburt Jesu nur am 24. Dezember von 15 bis 23 Uhr begehen können – und dann nie wieder. Doch in Wahrheit geht die Weihnachtszeit viel länger – am 24. Dezember fängt sie an und geht bis zum 6. Januar. Nach alter Tradition gehört sogar noch die Zeit bis zum 2. Februar zur erweiterten Weihnachtszeit und in manchen Kirchen und Klöstern werden erst an diesem Tag die Bäume abgebaut und die Krippen weggeräumt. Nun möchte man Ende Januar vielleicht nicht mehr unbedingt Weihnachtslieder singen und Plätzchen essen, allerdings denke ich, dass vielen Familien eine Menge Stress genommen wäre, wenn sich fester in unseren Köpfen verankern würde, dass Weihnachten tatsächlich mindestens bis zum 6. Januar geht. Wie wunderbar man Feierlichkeiten, Geschenkestress und fettige Mahlzeiten entzerren könnte, wenn man sie auf die gesamte Weihnachtszeit verteilen würde und nicht versuchen würde, alles in maximal drei Tage zu pressen. Dann wäre es auch gar nicht mehr schlimm, wenn am dritten Advent immer noch nicht alle Sterne am Fenster hängen und man erst danach anfängt zu backen – immerhin kommt dann ja noch ganz viel Zeit, um alles zu genießen.

Ich hoffe ihr konntet mit meiner Sicht auf die Adventszeit etwas anfangen. Wenn ihr nach weiteren Tipps und Tricks sucht, die Adventszeit entspannter zu gestalten, schaut doch mal bei meiner Bloggerkollegin Martha von Familienleben mit Gott vorbei, sie hat auch noch etwas zum stressfreien Advent geschrieben.

 

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