Eltern sein – Familie leben

Vom Säen, Ernten und Danken

In der vergangenen Woche war es ruhig hier, ihr habt es sicher gemerkt, nicht einmal die Freitagspizza habe ich euch gönnen können. Falls es euch beruhigt, es gab auch keine. Stattdessen Sushi bei einer lieben Freundin – am Freitag habe ich es mir nämlich ausnahmsweise mal beim Mädelsabend richtig gut gehen lassen.

Ein Kraftmoment in einer Woche, in der es ansonsten eher darum ging, die Zähne kräftig zusammenzubeißen und durchzuhalten. Am Montagmorgen hatte ich einen alkoholfreien Kater, die meisten von euch kennen das wahrscheinlich, zumindest wenn ihr zu den 87% und nicht zu den 13% gehört, sollte es euch ähnlich gegangen sein.

Zeit zum Auskurieren hatte ich nicht, denn hier im Haus wollten Kranke gepflegt werden, es wollten diverse Erntedankfeiern organisiert, Kinder koordiniert und Termine gemanagt werden. Mitte der Woche kam mich dann eine alte Bekannte besuchen. Sie kommt regelmäßig und das, obwohl ich ihr eigentlich schon vor Jahren ein Hausverbot erteilt hatte. Sie heißt Blasenentzündung und ist echt ätzend. Da ich sie nicht rausschmeißen konnte, habe ich versucht, sie zu ignorieren und weiter die Zähne zusammengebissen.

Als wäre alles nicht genug, ging ich mit einigen richtig schweren Themen und Aufgaben schwanger. Sie belasteten mich, zogen mich runter und ich hatte zwischendurch das Gefühl, sie nicht mehr schultern zu können. Verzweifelt suchte ich nach Antworten auf meine Fragen, aber auch nach Anerkennung und danach, von irgendjemandem gesehen zu werden in dem, was ich tue. Ich hatte das Gefühl, mich abzumühen, aber keine sichtbaren Ergebnisse zu produzieren, nicht mal die Wäscheberge wurden kleiner in dieser Woche.

Selbstmitleidig und mit Schmerzmitteln zugedröhnt stolperte ich also ins Erntedank-Wochenende und das Wort Dankbarbeit wollte mir nicht mal im Ansatz über die Lippen kommen. Doch dann passierte auf einmal ganz viel. Es war, als hätte Gott meine Mühen gesehen und mir genau das gegeben, was ich brauchte. Einen überraschend sonnigen Samstag im Maislabyrinth am Edersee. Den richtigen Bibelvers zur richtigen Zeit (ihr seht ihn oben im Bild). Den richtigen Menschen im richtigen Moment, der mir quer über das Potluck-Buffet ungefragt die Antwort auf mein Dilemma zurief. Die Freundin, die mir sagte, wie toll meine Kinder im Kindergottesdienst gewesen seien und das Gefühl, dass all das, was ich hier so mühsam säe doch irgendwann Früchte trägt. Die Predigt des Pfarrers zum Erntedank, die ganz sicher nicht für mich geschrieben war und doch alles in sich trug, was ich brauchte und nicht zuletzt einen Pfosten direkt neben mir, an den ich mich anlehnen konnte, nachdem die berührenden Worte in der Kirche meine Spannungen gelöst hatten, meinen Ärger und meine Angst hatten verfliegen lassen und nur noch die Erschöpfung einer harten Woche übrig ließen.

Und so wurde ich doch noch dankbar, denn selbst in der vergangenen Woche gab es 10.000 Gründe dafür: Dankbar in einem Land zu leben, in dem 87% der Menschen nicht die AfD wählen. Dankbar für Biosuppenhühner. Dankbar für Obst und Gemüse. Dankbar für Nahrung im Überfluss. Dankbar so privilegiert zu sein, dass ich in der Lage bin, anderen zu helfen. Dankbar, dass ich jemandem Trost spenden konnte. Dankbar, dass es um mich herum viele engagierte Menschen gibt. Dankbar für Schmerzmitten und Blasentee. Dankbar für Netflix-Kids. Dankbar für Freunde, die helfen. Dankbar für offene Ohren. Dankbar, gesehen zu werden. Dankbar, einen schönen Abend verbracht zu haben.  Dankbar für die richtigen Worte zur richtigen Zeit. Dankbar für unzählige Chancen und Möglichkeiten, mein Leben zu gestalten. Dankbar für viele inspirierende Menschen, die mich begleiten. Offline, aber auch online. Dankbar für euch alle hier, die ihr hier mitlest. Ich könnte die Liste endlos fortführen.

Stattdessen habe ich jetzt schon den ersten Tag einer neuen und kurzen Woche fast hinter mich gebracht. Der Platz auf der Couch, den ich so dringend bräuchte, ist schon wieder belegt und ich beiße weiter die Zähne zusammen. Themen, die Nerven kosten können, gibt es immer. Aber heute gab es auch einen besten Freund, der mir unglaublich geholfen hat, eine neue Projektidee weiterzuentwickeln und es gab meine Eltern, die hier ein bisschen eingesprungen sind, damit ich dem angeschlagenen Mann helfen konnte und nachher koche ich uns allen ein bisschen Seelenfutter, passend zum regnerischen, grauen Herbsttag –  und notiere Bolognese auf meinem inneren Dankbarkeitszettel.

Ich wünsche euch einen gesegneten Start in den Oktober!

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