Eltern sein – Familie leben

Mit Kindern und Caravan durch Südfrankreich Teil II

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Marseillan Plage und die Ardèche

Zugegeben, der Wechsel von den ruhigen, beschaulichen Tarnschluchten ans wuselige, touristische und überlaufene Mittelmeer war für uns alle ein Kulturschock. Für uns Eltern, obwohl wir das alles kannten und wussten, was uns erwartete, genauso wie für die Kinder, die zum ersten Mal einen südeuropäischen Küstenort zur Hauptsaison besuchten. In den ersten Stunden inmitten von unzähligen Restaurants, die Muscheln aus Sandeimern servierten, vollen Stränden, lauten Marktschreiern und riesigen, schwimmenden Plastiktieren, hatte ich so meine Zweifel, ob dieser Ortswechsel das Richtige für uns war und ob wir uns nicht an unserem Fluss in unseren Schluchten besser erholt hätten.

Diese Zweifel verflogen jedoch schlagartig, als ich den Kindern das erste Mal zusah, wie sie sich mit einem Freudenschrei in die Wellen stürzten. Auch wir Großen konnten das Gewusel um uns herum schnell annehmen und wieder auf Erholung umschalten. Und so lebten wir auch am Mittelmeer weiter unseren langsamen, unproduktiven Urlaubsrhythmus, mit spätem Frühstück und langen Nächten unter Bäumen auf unserem Campingplatz, das gute Urlaubsleben, das fortan aus Strandtagen, Schwimmen, Sandburgen und Meeresfrüchten bestand.

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Der Camping La Plage in Marseillan Plage trug sicher seinen Teil dazu bei, dass laute, schrille, zum Teil befremdliche Treiben des Ortes ausblenden konnten, er ist nämlich ein kleiner Gegenentwurf zu den fünf Sterne Clubplätzen mit Animation, Pool und Karaokebars, die sonst an diesem Küstenabschnitt zu finden sind. Der La Plage ist ein einfacher Platz mit vielen Bäumen und schönen, großen Parzellen. Außer einem Brötchenservice, der jeden morgen kommt, gibt es dort nichts (was aber nichts macht, weil genügend Geschäfte fußläufig zu erreichen sind). Einen Pool hat er nicht, aber einen eigenen Strandzugang. Die Sanitäranlagen sind sauber, doch ähnlich wie am Tarn hätte ich mir auch dort ein bis zwei Duschen mehr gewünscht, denn wenn am Abend alle Gäste gleichzeitig vom Strand kamen, musste man manchmal ein bisschen warten. Aber hey – für einen Platz, der einen ansonsten von all dem Trubel und Wahnsinn dieser Küste fernhält und einen mit all den Auswüchsen von Clamping und Clubplätzen verschont, nehme ich das gern in Kauf. Möge der La Plage noch lange bleiben, was er ist und nicht von einer dieser Ketten aufgekauft werden, die dort unten seit Jahren mehr und mehr ihr Unwesen treiben. Außerdem konnte der Platz bei uns mit einer Babydusche punkten, die für Kind 3 sehr praktisch war.

Genau einmal haben wir das faule Leben am Strand für einen Tagesausflug unterbrochen – denn den hatten wir unserem großen Sohn bereits seit Jahren versprochen. Er wollte Carcassonne sehen.

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Die alte Ritterstadt liegt etwa 150 Kilometer von der Küste entfernt und seine Festung, die bis heute den alten Stadtkern ausmacht, ist sehr bekannt. Wir haben uns also bereits frühmorgens auf den Weg gemacht und konnten so gerade noch einen Parkplatz direkt an einem der Stadttore ergattern. Natürlich war Carcassonne an einem Donnerstagvormittag im Hochsommer gestopft voll und so schoben wir uns mit Zehntausenden anderen Menschen durch die schmalen Gässchen und die unzähligen Lädchen, in denen man Ritterspielzeug, bestickte Geschirrtücher und alles andere, was das Touri-Herz begehrt, kaufen konnte. Da wir im Urlaub waren und keinerlei Druck hatten, konnten wir das sogar sehr genießen. Nachdem wir noch die lokale Spezialität Cassoulet, einen Eintopf mit Bohnen und viel Fleisch gekostet hatten und jedes Kind um ein Ritterspielzeug reicher war, traten wir die Heimreise an und freuten uns, am frühen Abend noch einmal in unser Meer springen zu dürfen.

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Nach einer Woche am Meer mussten wir uns jedoch abermals Gedanken darüber machen, wie unsere Reise weitergehen soll. Geplant war eigentlich ein ordentlicher Zwischenspurt in Richtung Norden und danach noch ein paar Wandertage im Elsass. Dort herrschte allerdings kein Wanderwetter, sondern 14 Grad und Regen und so beschlossen wir, im Süden zu bleiben. Als Ziel für die nächsten Tage wählten wir die Ardèche, die circa 200 Kilometer nördlich des Meeres liegt. So konnten wir die eigentliche Heimreise zumindest noch ein bisschen verkürzen und trotzdem im guten Wetter bleiben.

Ich bin ja jemand, der, zumindest was Urlaubsziele angeht, der Masse grundsätzlich misstraut. Vielleicht ist das der Grund, warum ich noch nie an der Ardèche war (und auch noch nie auf Mallorca, übrigens). Der Fluss gilt als absolute Touristenattraktion in Frankreich – und als total überlaufen. Dennoch gelang es uns, einen kleinen Campingplatz am Rande der Schluchten der Ardèche zu finden, auf dem wir drei Nächte verbringen konnten. Tja, was soll ich sagen – meine Skepsis verflog nach wenigen Stunden. Vielleicht lag es daran, dass wir uns nicht wirklich in den (tatsächlich sehr vollen) Schluchten befanden, sondern am Rande oder an dem familiären Zwei-Sterne Platz, den wir uns ausgesucht hatten oder einfach daran, dass die Masse im Bezug auf die Ardèche Recht hat – sie ist toll!

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Der Campingplatz Camping des Ponts ist, wie schon erwähnt, klein und familiär. Die Sanitäranlagen sind sehr alt, aber sauber und auch ausreichend vorhanden. Alle Wege sind kurz und die Parzellen groß, allerdings ist die Anordnung etwas chaotisch, sodass man sich zum Teil doch recht dicht auf der Nase sitzt und eigentlich immer bei irgendwem über den Platz laufen muss, um von A nach B zu kommen. Der Platz hat seinen eigenen kleinen Badestrand, bei dem es allerdings sehr schnell sehr tief ins Wasser geht, weswegen er für kleine Kinder nicht so gut geeignet ist, für geübte Schwimmer allerdings ein Traum. Circa fünf Minuten zu Fuß vom Platz entfernt gibt es aber einen öffentlichen und bewachten Badestrand, mit extra abgetrennten Kinderbereich und einer großzügigen Sandfläche zum Liegen und Spielen.

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Ich hatte bei diesem Zwischenstopp nicht nur Zweifel daran, dass es mir an der Ardèche nicht gefallen könnte, sondern auch daran, dass es sich nicht mehr richtig nach Urlaub anfühlen würde, sondern eher nach Heimreise. Aber was soll ich sagen? Wir hatten kaum aufgebaut und schon war es wieder da – das faule Familienleben. Noch einmal gab es drei Tage lang nur baden, lesen und essen für uns. Noch einmal kuschelige Familienzeit im Wohnwagen. Noch einmal Draußenzeit. Noch einmal Zeit zum Durchatmen, Zuhören, Spielen. Noch einmal Zeit für Zweisamkeit, während die Kinder auf der Hüpfburg, mit der der Platz punkten konnte, Spaß hatten. Noch einmal lange Nächte im Süden. Noch einmal eine Pizza vom Campinggrill.

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Und dann war es leider wirklich so weit. Dann führte kein Weg mehr daran vorbei, wir mussten in den kühlen, regnerischen deutschen Sommer zurück. Mit einer Zwischenübernachtung in Karlsruhe endete unsere traumhafte Urlaubszeit und so saßen wir am Freitag, dem 11.08. glücklich-melancholisch vor einer bestellten Freitagspizza und zwischen Bergen von Wäsche und Campingkram und dankten Gott für all die wundervollen Momente, die wir in den letzten drei Wochen hatten erleben dürfen.

Unser Fazit – mit Kindern und Caravan durch Südfrankreich? Jeder Zeit wieder!

 

 

 

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