Eltern sein – Familie leben

Mit Kindern und Caravan durch Südfrankreich Teil I

Von den Vogesen in die Tarnschluchten

Wenn mich jemand fragt, ob ich Sehnsuchtsorte auf der Welt habe, kann ich ein bisschen was antworten. Ja, es gibt ein paar Flecken auf dieser Erde, zu denen es mich immer wieder hinzieht, nach denen sich mein Herz dann und wann ausstreckt und von denen ich träume, wenn ich mal wieder im regnerischen Alltag sitze. Einige dieser Orte besuche ich regelmäßig, andere sehr selten und bei manchen weiß ich gar nicht, ob ich sie je wiedersehen werde. Doch es gibt ein paar Orte auf dieser Welt, die ich besonders fest in meinem Herzen trage, seit ich das erste Mal dort war und von denen ich besonders oft träume, deren Bilder ich besonders gern anschaue und die ich meinen Kindern ganz unbedingt zeigen wollte. Die Tarnschluchten gehören dazu. Seit ich sie 2008, damals noch kinderlos, mit meinem Mann besucht habe, bin ich verliebt. Ich bin verliebt in das Abendrot, dass die Felsvorsprünge, die den Fluss rechts und links einrahmen, rosa färben. Ich bin verliebt in das klare Wasser des Tarns, in seine steinigen kleinen Badestrände, in seine kleinen, malerischen Orte, die gar nicht so überlaufen sind, wie viele andere Plätze in Südfrankreich. Ich bin verliebt in Ziegenkäse und Salami vom Wochenmarkt und in kleine, unspektakuläre Campingplätze direkt am Flussufer, auf denen man sich abends in aller Ruhe und ohne Halligalli mit einem guten Buch und einem Glas Rotwein vor den Wohnwagen setzen kann. Und dieses Jahr durfte ich all das endlich wieder genießen.

Aber von vorne

Am 22. Juli ging es los. Wir hatten unser Schneckenhäuschen bis auf den letzten Millimeter vollgepackt, das Gepäck mehrfach umsortiert, sichergestellt, dass Stützlast und Anhängerlast passten, die Kinder mit reichlich Hörspielen, Säften aus Tütchen und Süßigkeiten ausgestattet und verließen das regnerische Nordhessen in Richtung der Vogesen. Dort hatten wir uns den Lac du Longmer als ersten Zwischenstopp ausgesucht. In Xonrupt Longemer, dem Ort, an dem dieser Gletschersee liegt, findet ihr einige schöne Campingplätze. Wir waren nun schon das zweite Mal auf dem Camping de Jonquilles, einem einfachen, aber schönen Platz mit zwei Sternen. Die Sanitäranlagen dort sind sauber und in ausreichender Zahl vorhanden, es gibt einen Spielplatz, einen kleinen Laden, in dem man Baguettes, Croissants und ein paar Kleinigkeiten bekommt und sogar ein kleines Lokal, das aber auf der gegenüberliegenden Straßenseite liegt und so die Atmosphäre auf dem Platz nicht beeinflusst. Außerdem verfügt der Camping de Jonquilles über einen eigenen Zugang zum See. Dieser ist – wie erwähnt – ein Gletschersee und daher entsprechend frisch. An warmen Tagen ist er eine wunderbare Abkühlung und meine Kinder haben sich sowieso bei jedem Wetter hinein getraut.

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Bei jedem Wetter…das ist mein Stichwort, denn wie ihr vielleicht schon vermutet, war das Wetter in den Vogesen eher durchwachsen. Da wir uns doch sehr nach dem sonnigen Süden ausstreckten, verließen wir den Lac bereits am dritten Tag in Richtung Süden.

Ein festes Ziel für diesen Fahrtag hatten wir nicht. Eigentlich wollten wir irgendwo zwischenübernachten, um den Tarn am nächsten Tag leicht zu erreichen. Doch unglaublich autofahrbegeisterte Kinder und wenig Verkehr sorgten dafür, dass wir das unmögliche möglich machen konnten – wir schafften über 700 Kilometer und rollten um Punkt 19 Uhr – also in letzter Minute, bevor die Rezeption schloss, auf den Campingplatz Les Osiers in Montbrun.

Der Platz liegt mitten in den Schluchten und hat einen eigenen Zugang zum Fluss. Für Familien mit kleinen Kindern besonders toll – es geht total flach ins Wasser und an manchen Stellen konnten unsere beiden Großen problemlos bis ans andere Ufer laufen. Toll für geübte Schwimmer – ein paar Meter weiter gibt es auch noch eine Badestelle mit tieferem Wasser.

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Les Osiers verfügt über saubere Sanitäranlagen, aber für meinen Geschmack hätte es auch gerne zwei bis drei Duschen mehr geben können. Wobei ich ehrlicherweise sagen muss, dass ich nie wirklich lange angestanden habe, um eine zu bekommen. Außerdem hat er einen riesengroßen, wunderschönen Spielplatz und liegt insgesamt so abgelegen und gefahrenfrei, dass die Kinder dort frei und nach Herzenslust herumlaufen können.

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Und da war ich also – in meinen geliebten Tarnschluchten. Kaum stand der Wohnwagen auf dem Stellplatz, hüpfte ich wie eine Verrückte über den Platz, umarmte meine Kinder und zusammen haben wir wohl auch den einen oder anderen Freudenschrei ausgestoßen. Die Tage dort waren genauso wild romantisch und beschaulich, wie die Schluchten selbst. Unser Tagesrhythmus verschob sich sofort und meistens war es schon später Vormittag, bevor wir überhaupt alle angezogen und bereit zu Aktivitäten waren. Wirklich aktiv waren wir aber sowieso nicht, höchstens wenn es darum ging, Risottos in Wok-Pfannen auf dem Campinggrill zu rühren (geht wunderbar), Wein, Salami und Käse zu organisieren oder neue Wege zu finden, möglichst spektakulär in den Fluss zu springen. Ansonsten saßen wir entweder an dessen Ufer, am Spielplatzrand oder vor dem Wohnwagen rum, lasen, spielten mit den Kindern oder schauten einfach nur auf die massiven Felsvorsprünge über unseren Köpfen.

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Zweimal innerhalb dieser Woche haben wir uns wirklich aufgerafft, einmal um den Wochenmarkt in Ispagnac zu besuchen und einmal um ein bisschen durch St. Enimie zu schlendern, einem niedlichen kleinen Städtchen am Rand der Schluchten, das wir schon vor acht Jahren gern besucht haben.

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Nach sieben faulen, erholsamen, wundervollen Tagen packten wir dann allerdings zusammen und verließen die Schluchten schweren Herzens, denn wir hatten uns ja für die nächsten sieben Tage einen Stellplatz am Mittelmeer reserviert.

 

Und wie es dort war und was wir danach noch gesehen und erlebt haben, erzähle ich euch nächste Woche.

 

 

3 Kommentare

    1. Hey Martha. In den Tarnschluchten findet man auf den kleineren Plätzen schon immer nochmal was, wenn man nicht so arg anspruchsvoll ist. Am Mittelmeer musst du allerdings buchen. Wir haben am Tarn so etwas über 200 Euro für eine Woche bezahlt. Am Meer natürlich doppelt so viel. Liebe Grüße
      Daniela

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